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Mit viel Edelmetall zurück am Bodensee

Von Susanne Backmeister, LZ

Aufgebrochen sind die vier Lindauer Schwimmer Fritz „Itze“ Ilgen, Alfred Seeger, Sandra Bandlow-Albrecht und Thomas Röhl am 1. August, um bei der Weltmeisterschaft der Masters auf der Insel Kyushu im Süden Japans teilzunehmen. Am erfolgreichsten war Fritz Ilgen, der in all seinen vier Disziplinen in der Altersklasse (AK) 90 mit einer Medaille zurückkehrte. Gleich dreimal Gold gab es in seiner Paradedisziplin Rücken auf der Distanz 50, 100 und 200 Meter. Es waren souveräne Siege bestätigt Bandlow-Albrecht: „Alle Wettkämpfe hat er mit extrem deutlichem Abstand gewonnen.“ Auch Röhl ist begeistert von seinem Vereinskollegen: „Der Itze ist einfach ein Ausnahmetalent, was seine Physis angeht. Er ist einfach super.“

Als ob das nicht schon gereicht hätte, übertrifft Ilgen sogar noch seinen eigenen Europarekord, den er erst im Juli bei den bayerischen Sommermeisterschaften aufstellte. Über eine Sekunde war der Schwimmer des TSV 1850 Lindau bei der Masters-WM in Japan mit einer Zeit von 1:58 Minuten auf der 100-Meter-Distanz schneller. Den dritten Podestplatz erreichte er zusätzlich über 100 Meter Freistil.

Mindestens genauso zufrieden war Röhl mit seiner Leistung in Fukuoka. „Bei mir lief es überraschend gut. Damit war nicht zu rechnen“, meint er. Gleich einen Tag nach der Ankunft trat er bei Open Water, drei Kilometer im Meer, in seiner AK 65 an. Im Vorfeld war er überzeugt, dass er „keine Chance auf eine Medaille“ habe. Weit gefehlt. Röhl wurde Vizeweltmeister. Und darüber hinaus gab es für ihn auch über 200 Meter Schmetterling ein zweites Mal Silber. „Für mich bin ich die in einer sehr guten Zeit geschwommen. Ich habe das schon lange davor nicht mehr unter drei Minuten geschafft“, freut sich der pensionierte Kriminalbeamte. Die längeren Strecken liegen dem Zauberkünstler und so gab es auch noch Bronze über 400 Meter Freistil. Damit hatte Röhl sein anvisiertes Ziel, in Japan unter die Top 5 zu kommen, locker übertroffen.

Ohne Medaille kehrte Bandlow-Albrecht zurück, aber damit hatte sie schon gerechnet. Die Konkurrenz in ihrer AK 50 war einfach zu stark. Mit ihrer Leistung ist sie dennoch zufrieden. In vier Disziplinen steigerte sie sich von Wettkampf zu Wettkampf. Nach Platz 15 über 200 Meter Rücken folgte Platz 14 über 400 Meter Lage. Zwölfte wurde sie über 100 Meter Schmetterling und am Schluss erschwamm sie in der gleichen Disziplin über 200 Meter den siebten Platz.

Am meisten Pech hatte wohl Alfred Seeger. Bei schwülen 37 bis 38 Grad und klimatisierten Räumen erkältete er sich gleich bei der Ankunft. Umso beachtenswerter ist es, dass er dennoch in seiner AK 80 als Sechster in der Disziplin Open Water durchs Ziel ging. Das gleiche Ergebnis gelang ihm über die 100 Meter Schmetterling. Außerdem erreichte er zweimal Platz acht über 200 Meter Lagen und Freistil.

Zu kämpfen hatten alle vier mit dem Klima vor Ort und dem Jetlag. „Die Hitze ist dir wirklich wie eine Faust entgegengesprungen, wenn man aus dem Hotel kam“, erzählt Bandlow-Albrecht und fügt hinzu, dass Seeger „auch die anstrengendsten Sachen auf seiner Schwimmliste“ hatte. „Da hat einfach gar nichts mehr zusammengepasst“, meint sie. Über 400 Meter Lage und 200 Meter Schmetterling wurde der pensionierte Lehrer disqualifiziert.

Begeistert von Land und Leuten und müde von der langen Rückreise über zwei Tage wurden die vier am Reutiner Bahnhof von Abteilungsleiter Wilfried Fuchs und weiteren Schwimmern am Sonntagmittag mit einem Sektempfang überrascht. „Das ist einfach ein super Team bei uns. Die freuen sich alle mit uns und den Medaillengewinnern. Itze wurde natürlich besonders verehrt“, sagt Bandlow-Albrecht.

Nach der WM in Japan will im Moment noch keiner so recht über das nächste Projekt nachdenken. Trotz Erfolg ist sich Ilgen sicher, dass er nicht mehr so weit reisen will, obwohl die nächsten Termine schon bekannt sind. Bereits Ende Februar 2024 folgt die nächste Weltmeisterschaft der Masters in der katarischen Hauptstadt Doha. Für die Lehrerin Bandlow-Albrecht wird es kein Eintrag im Terminkalender werden, weil keine Schulferien sind. Röhl hat erst mal „genug Wettkampf“ für dieses Jahr gehabt und will nach zehn Monaten intensiver Vorbereitung auf die WM in Japan sich noch keine neuen Ziele stecken.